Oxygen wird gerne in einem Atemzug mit Elementor genannt, und das führt in die Irre. Die beiden lösen nicht dieselbe Aufgabe für dieselben Menschen.
Elementor ist ein Werkzeug für Website-Betreiber. Oxygen ist ein Werkzeug für Menschen, die Websites bauen und dabei möglichst nah an HTML und CSS bleiben wollen — nur ohne alles von Hand zu tippen.
Wer das verwechselt, kauft das falsche Produkt. Ich habe genügend Kunden erlebt, die mit einer Oxygen-Seite dastanden, die sie nicht bedienen konnten.
Den direkten Vergleich von Oxygen mit Bricks habe ich an anderer Stelle gezogen. Hier geht es um Oxygen gegen Elementor.

Die kurze Antwort
Oxygen, wenn Sie HTML und CSS beherrschen, volle Kontrolle über die Ausgabe wollen und niemand außer Ihnen an der Seite arbeitet.
Elementor, in praktisch allen anderen Fällen.
Das ist ungewöhnlich eindeutig für einen Vergleich, und ich begründe es unten.
Der grundlegende Unterschied: Oxygen ersetzt Ihr Theme
Das ist der Punkt, der die meisten überrascht.
Elementor ist ein Plugin. Ihr Theme bleibt bestehen und liefert den Rahmen — Header, Footer, die grundlegende Struktur. Elementor gestaltet den Inhalt darin, und mit Pro auch den Rahmen.
Oxygen schaltet Ihr Theme praktisch ab. Es übernimmt die komplette Ausgabe der Website, von der ersten HTML-Zeile bis zur letzten. Was Sie nicht in Oxygen bauen, existiert nicht.
Das ist die Quelle seiner größten Stärke — nichts lädt mit, was Sie nicht angelegt haben — und seiner größten Härte: Sie müssen wirklich alles selbst bauen. Es gibt keinen Rahmen, in den Sie hineingestalten. Es gibt nur die leere Seite.
Elementor und Oxygen auf einen Blick
| Elementor | Oxygen | |
|---|---|---|
| Art | Plugin, Theme bleibt | ersetzt das Theme vollständig |
| Kostenlose Version | ja, umfangreich | nein |
| Lizenz | Jahresabo, gestaffelt | einmalig, unbegrenzt viele Websites |
| Vorwissen nötig | keines | HTML und CSS |
| Ausgegebener Code | funktional, mehr Verschachtelung | minimal, weitgehend selbst bestimmt |
| Vorlagen | sehr viele | wenige |
| Theme Builder | in Pro | Grundprinzip des Produkts |
| Deutschsprachiges Material | sehr viel | so gut wie keines |
| Verfügbare Fachleute | sehr viele | sehr wenige |
| Weiterentwicklung | stark | verhalten |
Wo Oxygen punktet
Die Kontrolle über die Ausgabe. Sie bestimmen die HTML-Struktur bis auf das einzelne Element. Kein mitgeliefertes Theme-CSS, keine Wrapper, die jemand anderes für nötig hielt. Für jemanden, der weiß, wie ein gutes Dokument aufgebaut ist, ist das befreiend.
Der schlanke Auslieferungsstand. Eine sauber gebaute Oxygen-Seite liefert erheblich weniger CSS und HTML aus als eine vergleichbare Elementor-Seite. Das ist real und messbar.
Eine einmalige Zahlung für unbegrenzt viele Websites. Kein Abo. Für jemanden, der viele Projekte betreut, ist das über Jahre ein deutlicher Unterschied.
Die Arbeit mit Klassen und Selektoren. Oxygen denkt in CSS-Klassen, nicht in Einzeleinstellungen pro Element. Wer eine konsistente Designsprache über sechzig Seiten halten will, arbeitet damit sehr viel schneller.
Wo Elementor punktet
Sie können es bedienen, ohne es gelernt zu haben. Das ist das entscheidende Argument, und es gilt für die überwiegende Mehrheit der Menschen, die eine Website betreiben. In Elementor bekommen Sie an einem Abend eine ordentliche Seite. In Oxygen sitzen Sie an einem Abend vor einer leeren Fläche und einem Handbuch.
Sie finden Hilfe. Für Elementor gibt es deutschsprachige Anleitungen, Videos und Menschen in erreichbarer Nähe. Für Oxygen gibt es im deutschen Sprachraum praktisch nichts. Wenn Sie in zwei Jahren jemanden brauchen, der Ihre Oxygen-Seite übernimmt, wird das eine schwierige und teure Suche.
Sie können es kostenlos testen. Elementor Free ist ein brauchbares Werkzeug. Oxygen kostet ab dem ersten Tag.
Das Produkt wird weiterentwickelt. Und hier kommt der Punkt, den man aussprechen muss.
Der Punkt, den man aussprechen muss
Die Entwickler von Oxygen haben mit Breakdance ein zweites Produkt gestartet, das sich an eine breitere Zielgruppe richtet. Seither hat die Weiterentwicklung von Oxygen erkennbar an Tempo verloren, und ein Teil der Nutzerschaft hat das als Signal verstanden.
Ich will das nicht dramatisieren: Oxygen wird gepflegt, Seiten laufen weiter, und ein Produkt darf reifen, ohne jedes Quartal neue Funktionen zu bekommen.
Aber wenn Sie heute vor der Entscheidung stehen, eine Website für die nächsten fünf Jahre auf Oxygen zu bauen, gehört diese Beobachtung in Ihre Überlegung. Wer die technische Richtung von Oxygen schätzt, sollte sich zumindest Bricks und Breakdance ansehen, bevor er sich festlegt.
Elementor Pro: Wenn Sie sich für den zugänglicheren Weg entscheiden, liegen Theme Builder, Formulare und Popups — also genau das, was Oxygen von Grund auf mitbringt — in der Pro-Lizenz. Elementor Pro ansehen
Zur Performance
Ja, Oxygen liefert schlankere Seiten aus. Deutlich schlankere, wenn jemand sie gut gebaut hat.
Und trotzdem: In den Websites, die zu mir zur Optimierung kommen, liegt das Problem fast nie am Builder. Es liegt an Bildern, die niemand komprimiert hat, an Hosting ohne Objekt-Cache, an fehlendem Caching und an einer Handvoll Skripten von Drittanbietern, die jemand vor drei Jahren eingebaut und nie wieder angesehen hat.
Eine gut optimierte Elementor-Seite ist schneller als eine schlecht gebaute Oxygen-Seite. Der Builder ist ein Faktor, aber nicht der erste. Die wirksamen Hebel stehen in Elementor Performance optimieren und WordPress Page Speed 2026.
Der Wechsel — in beide Richtungen unangenehm
Von Elementor zu Oxygen gibt es keine Übernahme. Sie bauen die Seiten neu, und Sie bauen dabei auch Header und Footer neu, weil Oxygen Ihr Theme ersetzt. Das ist mehr Arbeit als bei jedem anderen Builder-Wechsel.
Von Oxygen zu Elementor ist es ähnlich aufwendig: Wenn Sie Oxygen deaktivieren, fehlt nicht nur das Layout, sondern die gesamte Ausgabe. Sie brauchen zuerst wieder ein funktionierendes Theme, bevor Sie überhaupt etwas sehen.
Planen Sie in beiden Richtungen mit einem Website-Neubau, nicht mit einer Umstellung.
Meine Empfehlung nach Situation
Oxygen, wenn Sie HTML und CSS sicher beherrschen, wenn Sie die Ausgabe bis ins Detail bestimmen wollen, wenn Sie kein Abo möchten und wenn Sie die Seite selbst pflegen — auf Dauer und allein.
Elementor, wenn Sie Ihre eigene Website betreiben, wenn Sie kein CSS schreiben, wenn Sie deutschsprachige Hilfe brauchen und wenn irgendwann jemand anderes an der Seite arbeiten soll.
Sehen Sie sich Bricks oder Breakdance an, wenn Sie die technische Richtung von Oxygen überzeugend finden, aber ein Produkt mit aktiverer Entwicklung wollen. Das ist die häufigste sinnvolle Antwort auf die Frage, die Sie hierher geführt hat.
Häufige Fragen
Ist Oxygen schwerer als Bricks?
Beide setzen technisches Verständnis voraus. Oxygen geht dabei noch einen Schritt weiter, weil es keinerlei Theme-Rahmen übriglässt.
Kann ich Oxygen und Elementor parallel nutzen?
Nein, sinnvoll nicht. Oxygen übernimmt die gesamte Ausgabe der Seite; ein Mischbetrieb führt zu Konflikten.
Gibt es Oxygen auf Deutsch?
Praktisch nicht. Dokumentation und Community sind englischsprachig, und die Community ist klein.
Ist Oxygen tot?
Nein. Es wird weiter gepflegt, und bestehende Seiten laufen. Aber die Aufmerksamkeit des Herstellers liegt erkennbar bei Breakdance, und das sollte in eine Neuentscheidung einfließen.
Zum Schluss
Oxygen ist ein gutes Werkzeug in den richtigen Händen. Das Problem ist, dass es sehr oft in den falschen landet — bei Menschen, denen jemand eine Website damit gebaut hat und die danach jeden Textwechsel als Auftrag vergeben müssen.
Wenn Sie Ihre Website selbst in der Hand behalten wollen, ist Elementor der praktischere Weg. Wenn Sie technisch tief einsteigen wollen, sehen Sie sich Oxygen an — aber vergleichen Sie es vorher mit Bricks und Breakdance.
Weitere Gegenüberstellungen: Oxygen vs. Bricks Builder, Übersicht der Page-Builder-Vergleiche und Block-Editor gegen Page Builder. Wenn Sie die Entscheidung an Ihrem konkreten Projekt durchsprechen möchten: Elementor-Schulung.
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