„Brauche ich überhaupt noch Elementor, wenn WordPress mittlerweile einen eigenen Editor mitbringt?“ Diese Frage bekomme ich inzwischen fast jede Woche gestellt — und das zu Recht. Gutenberg, WordPress‘ nativer Block-Editor, hat sich über die letzten Jahre vom belächelten „Classic-Editor-Ersatz“ zu einem ernstzunehmenden Site-Building-Werkzeug entwickelt. Mit Full Site Editing (FSE) lassen sich mittlerweile ganze Themes im Editor selbst gestalten — ohne ein einziges zusätzliches Plugin. Gleichzeitig bleibt Elementor mit weit über 10 Millionen aktiven Installationen der meistgenutzte Page-Builder überhaupt, und Tools wie Bricks Builder zeigen, dass auch am Page-Builder-Ende der Skala kräftig weiterentwickelt wird. Da ich meine gesamte Schulungsarbeit über Jahre auf Elementor aufgebaut habe, wollte ich mir diese Frage ehrlich beantworten, statt sie wegzuwischen. Hier ist mein Stand 2026.

Die kurze Antwort
Es kommt darauf an, wer die Seite betreut — nicht darauf, welches Tool „moderner“ ist. Wenn Sie technisch versiert sind, mit einem sauberen Block-Theme arbeiten und primär Inhalte statt komplexe Layouts pflegen, ist Gutenberg/FSE 2026 eine ausgezeichnete, kostenlose und schlanke Lösung. Wenn Sie als Solo-Unternehmer:in, KMU oder Agentur ohne Entwickler-Ressourcen schnell zu einem individuellen, visuell anspruchsvollen Ergebnis kommen wollen — und das ist die überwiegende Mehrheit meiner Kund:innen und Kursteilnehmer:innen — bleibt ein Page-Builder wie Elementor die pragmatischere Wahl. Es gibt hier kein universelles „besser“, nur ein „besser für Ihre Situation“.
Die ausführliche Antwort
Beide Ansätze lösen dasselbe Grundproblem — WordPress-Seiten ohne Code-Kenntnisse gestalten — aber mit fundamental unterschiedlicher Philosophie. Gutenberg denkt in Blöcken innerhalb eines Themes: Das Theme definiert über theme.json Design-Regeln (Farben, Abstände, Schriftgrößen), und Sie setzen Blöcke innerhalb dieser Leitplanken. Page-Builder wie Elementor denken theme-unabhängig: Sie ziehen Elemente per Drag-and-drop auf die Seite, mit voller visueller Kontrolle über praktisch jeden Pixel, unabhängig davon, was das aktive Theme vorgibt.
Diese unterschiedliche Denkweise erklärt fast alle Unterschiede, die im Folgenden auftauchen — von der Lernkurve bis zur Performance.
Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Gutenberg / Full Site Editing | Page Builder (Elementor, Bricks) |
|---|---|---|
| Lernkurve | Mittel bis steil für komplexe Layouts, sehr flach für reine Textbeiträge | Flach — visuell, WYSIWYG, sofort verständlich |
| Design-Flexibilität | Gut, aber an Theme-Struktur gebunden | Sehr hoch, pixelgenaue Kontrolle, theme-unabhängig |
| Performance-Overhead | Sehr gering — kein Zusatz-Plugin nötig | Spürbar — zusätzliches CSS/JS, mehr Datenbank-Last |
| Template-/Pattern-Bibliothek | Wachsend (2.500+ Block-Themes 2026), aber weniger poliert | Riesig, sehr ausgereift, sofort einsetzbar |
| Zukunftssicherheit/Roadmap | Kern von WordPress, Phase 3 (Kollaboration) 2026 aktiv | Abhängig vom Plugin-Anbieter, aber Marktführer stabil |
| Preis | 0 € (fester Bestandteil von WordPress) | Gratis-Tier vorhanden, Pro-Lizenzen ab ca. 59–99 €/Jahr |
Gutenberg/FSE: Stärken
Der Fortschritt seit 2022 ist real, nicht nur Marketing. Drei Punkte stechen heraus:
Kein zusätzliches Plugin, kein zusätzliches Gewicht. Gutenberg ist Teil des WordPress-Kerns. Es gibt kein extra CSS-Framework, keine zusätzliche JavaScript-Bibliothek, die nachgeladen werden muss. Für performance-sensible Projekte — schlanke Blogs, Portfolio-Seiten, Content-getriebene Sites — ist das ein handfester Vorteil.
theme.json und native Design-Systeme. Seit WordPress 5.9 lässt sich über theme.json ein komplettes Design-System definieren: Farbpaletten, Typografie-Presets, Abstandsraster. Einmal sauber aufgesetzt, ist die Konsistenz über die ganze Seite hinweg garantiert — ohne dass jede:r Redakteur:in versehentlich eine falsche Schriftgröße wählen kann.
Native Template-Bearbeitung. Mit Full Site Editing lassen sich Header, Footer, Single-Templates und Archiv-Seiten direkt im Editor bearbeiten — ohne PHP-Template-Dateien anzufassen. Über 2.500 Block-Themes stehen 2026 im WordPress.org-Verzeichnis, gegenüber rund 400 noch 2023. Laut aktuellen Markt-Analysen wächst die FSE-Nutzung mit rund 145 % im Jahresvergleich — die mit Abstand höchste Wachstumsrate aller WordPress-Bau-Ansätze.
Stand 2026 liegt der Entwicklungsfokus (Gutenberg-„Phase 3“) auf Echtzeit-Kollaboration im Editor — mehrere Personen bearbeiten gleichzeitig denselben Beitrag oder dasselbe Template, ähnlich wie in Google Docs, inklusive Live-Cursorn und Sperren auf Block-Ebene. Für Redaktionsteams ist das ein spürbarer Schritt nach vorn.
Gutenberg/FSE: Schwächen
Bei aller Weiterentwicklung bleiben handfeste Einschränkungen:
Steilere Lernkurve für komplexe, individuelle Layouts. Sobald es über einfache Text-Bild-Kombinationen hinausgeht — überlappende Elemente, komplexe Grid-Layouts, individuelle Hover-Effekte, bedingte Sichtbarkeit — wird die Bedienung schnell technischer. Ohne Grundverständnis von Block-Verschachtelung und theme.json-Logik stoßen nicht-technische Nutzer:innen zügig an Grenzen.
Weniger polierte, sofort einsetzbare Vorlagen. Block-Patterns und -Themes haben stark aufgeholt, sind aber im Durchschnitt weniger ausgefeilt als die besten Elementor-Templates. Wer in 20 Minuten eine fertig aussehende Landingpage will, findet bei Elementor nach wie vor die größere Auswahl an sofort überzeugenden Vorlagen.
Kein visueller Drag-and-drop-Editor im klassischen Sinn. Gutenberg arbeitet blockbasiert, nicht frei positionierend. Wer aus Design-Tools wie Figma oder Canva kommt und ein 1:1-Gefühl für „ich ziehe das Element genau dorthin“ erwartet, muss umdenken.
Page-Builder: Stärken
Sofortige visuelle Kontrolle. Was Sie im Editor sehen, ist exakt das Endergebnis — und Sie erreichen es durch Ziehen, Klicken, Ausprobieren. Für Menschen ohne technischen Hintergrund ist das die kürzeste Distanz zwischen Idee und fertiger Seite. Genau das ist der Grund, warum meine gesamte Kursstruktur auf Elementor aufbaut: Die Einstiegshürde ist minimal.
Riesige, ausgereifte Template-Bibliotheken. Elementor allein bringt tausende fertige Blöcke und komplette Kits mit, viele davon branchen-spezifisch. Das spart bei realen Projekten Tage an Gestaltungsarbeit.
Reife Ökosysteme. Rund um Elementor gibt es Add-on-Plugins für praktisch jeden Bedarf — Formulare, Popups, WooCommerce-Erweiterungen, Animationen. Bricks Builder positioniert sich zunehmend als schnellere, entwicklerfreundlichere Alternative mit ähnlicher visueller Logik, aber schlankerem Code-Output.
Page-Builder: Schwächen
Zusätzliches Plugin-Gewicht. Ein Page-Builder bringt eigenes CSS und JavaScript mit, das zusätzlich zum Theme geladen wird. Das kostet Performance — typischerweise mehr Datenbank-Abfragen und größere Frontend-Assets als eine reine Block-Theme-Lösung.
Vendor-Lock-in. Inhalte, die mit einem Page-Builder erstellt wurden, stecken oft tief in dessen eigener Datenstruktur. Ein Wechsel zu einem anderen Builder oder zurück zu Gutenberg bedeutet in der Regel, Layouts von Grund auf neu zu bauen — nicht nur zu exportieren.
Laufende Lizenzkosten für den vollen Funktionsumfang. Die Pro-Versionen der relevanten Builder kosten wiederkehrend Geld. Für ein einzelnes kleines Projekt überschaubar, bei mehreren Kund:innen-Websites läppert sich das.

Performance in der Praxis
Bei einer typischen 30-Seiten-Website mit beiden Ansätzen im direkten Vergleich getestet, zeigt sich ein Muster, das sich über Jahre kaum verändert hat:
- Reines Block-Theme mit Gutenberg/FSE: minimaler zusätzlicher Overhead, da keine zusätzliche Bibliothek geladen wird — die Ladezeit hängt fast ausschließlich von Hosting, Bildern und Theme-Qualität ab.
- Elementor (Free oder Pro): spürbar mehr CSS/JS-Dateien und zusätzliche Datenbank-Einträge pro Seite, dadurch typischerweise +50 bis +150 ms TTFB gegenüber einem schlanken Block-Theme, je nach Hosting und Caching-Konfiguration.
- Bricks Builder: schlankerer Code-Output als Elementor, aber ebenfalls messbar mehr als eine reine Gutenberg/FSE-Lösung.
Auf gutem Managed-Hosting mit Caching verschwinden diese Unterschiede weitgehend im Rauschen. Auf günstigem Shared-Hosting werden sie spürbar. Wer ohnehin an Ladezeiten arbeitet, findet die kompletten Hebel in meinem Pillar-Beitrag WordPress Page Speed 2026.
Migration und Mischbetrieb: was realistisch ist
Ein nachträglicher Wechsel zwischen den beiden Welten ist möglich, aber selten trivial:
- Elementor → Gutenberg/FSE: Es gibt keinen automatischen Konverter, der Elementor-Layouts sauber in native Blöcke übersetzt. In der Praxis werden Seiten weitgehend neu aufgebaut, nicht migriert.
- Gutenberg/FSE → Elementor: Einfacher, da Elementor bestehende Inhalte als Ausgangsbasis übernehmen und dann visuell weiter ausbauen kann — aber auch hier ist Nacharbeit am Layout die Regel.
- Gemischter Betrieb (manche Seiten Gutenberg, manche Elementor): funktioniert technisch, erhöht aber den Wartungsaufwand und die Einarbeitungszeit für neue Redakteur:innen. Für kleine Teams meist keine gute langfristige Lösung.
Faustregel aus meiner Beratungspraxis: Treffen Sie die Grundsatzentscheidung möglichst am Projektanfang. Ein späterer Wechsel ist machbar, aber planen Sie ihn wie ein eigenständiges kleines Projekt mit Backup, Staging und ausreichend Zeitpuffer — nicht als Nebenbei-Aufgabe.
Sie wissen noch nicht, welcher Ansatz zu Ihrem Projekt passt? In meinem Online-Kurs zeige ich Ihnen beide Wege in der Praxis — und wie Sie anhand Ihres Projekttyps und Ihres technischen Vorwissens die richtige Entscheidung treffen, statt sich von Trend-Artikeln verunsichern zu lassen. → Zum Online-Kurs
Für wen eignet sich was?
Die Entwicklerin mit eigenem Block-Theme. Wer ohnehin Code schreibt, custom Blocks entwickelt oder ein schlankes Block-Theme selbst pflegt, ist mit Gutenberg/FSE bestens bedient. Kein zusätzliches Plugin, volle Kontrolle über den Code, native Performance.
Der Content-Blogger ohne komplexe Layout-Ansprüche. Wer primär Artikel schreibt, mit Bild, Zitat und Überschrift auskommt und selten aufwendige Landingpages braucht, profitiert von Gutenberg: schnell, leicht, kostenlos, ohne Lernkurve für die täglichen Aufgaben.
Die Solopreneurin mit Marketing-Anspruch. Wer eine Website mit individuellem Design, mehreren Landingpages, visuellen Call-to-Action-Sektionen und ohne Entwickler-Unterstützung betreiben will, ist mit Elementor oder Bricks Builder klar besser bedient. Das ist der Regelfall bei den meisten meiner Kund:innen und Kursteilnehmer:innen — und der Grund, warum ich hier keine „false balance“ vortäusche.
Mein Fazit
Ich sage es geradeheraus: Gutenberg/FSE ist 2026 kein Spielzeug mehr — es ist die richtige Standardwahl für Entwickler:innen und theme-basierte, leichtgewichtige, content-fokussierte Seiten. Aber für die überwiegende Mehrheit meiner Kund:innen und Kursteilnehmer:innen — nicht-technische Solopreneur:innen und Unternehmen mit komplexen Marketing-Seiten, die visuelle Design-Flexibilität ohne Entwickler-Aufwand brauchen — bleibt ein Page-Builder wie Elementor oder Bricks Builder 2026 die bessere Wahl. Genau deshalb baut meine Schulungsarbeit weiterhin primär auf Elementor auf: Es trifft den tatsächlichen Bedarf meiner Zielgruppe besser als die „reinere“, aber anspruchsvollere native Lösung.
Wenn Sie unsicher sind, welcher Weg zu Ihrem konkreten Projekt passt, begleite ich Sie in meinem Online-Kurs durch beide Ansätze — mit einer Empfehlung, die zu Ihrem technischen Vorwissen und Ihrem tatsächlichen Projekt passt, nicht zu einem allgemeinen Trend. → Zum Online-Kurs
Häufige Fragen
Wird Elementor durch Gutenberg irgendwann überflüssig?
Absehbar nicht. Gutenberg holt technisch stark auf, aber Elementors Stärke liegt nicht nur im Funktionsumfang, sondern in der Zugänglichkeit für nicht-technische Nutzer:innen und im riesigen, ausgereiften Template-Ökosystem. Solange diese Zielgruppe existiert — und sie ist groß —, bleibt für Page-Builder Raum. Realistischer ist eine dauerhafte Koexistenz mit unterschiedlichen Einsatzgebieten statt eine Ablösung.
Kann ich Gutenberg-Blöcke und Elementor auf derselben Seite gemeinsam nutzen?
Technisch teilweise ja — Elementor kann einzelne Gutenberg-Blöcke einbetten. Aber gemischte Setups sind wartungsintensiv und meist keine gute Idee für eine ganze Website. Entscheiden Sie sich für einen Hauptansatz pro Projekt.
Ist ein Wechsel von Elementor zu Gutenberg/FSE später möglich?
Möglich, aber aufwendig. Elementor-Inhalte liegen in Elementors eigener Datenstruktur, nicht in nativen Gutenberg-Blöcken. Ein Wechsel bedeutet in der Praxis, Seiten weitgehend neu aufzubauen, nicht zu konvertieren. Diese Entscheidung sollte daher möglichst am Projektanfang fallen.
Brauche ich für Full Site Editing ein spezielles Theme?
Ja — FSE funktioniert nur mit sogenannten Block-Themes, die eine theme.json-Datei mitbringen (z. B. Twenty Twenty-Four/-Fünf oder viele moderne Drittanbieter-Themes). Klassische PHP-Themes ohne diese Struktur unterstützen Full Site Editing nicht.
Ist Bricks Builder eine echte Alternative zu Elementor?
Für technisch etwas versiertere Nutzer:innen durchaus. Bricks setzt stärker auf sauberen, schlanken Code-Output und eine entwicklerfreundlichere Struktur, bei ähnlicher visueller Bedienlogik wie Elementor. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie in meinem Beitrag Bricks Builder vs. Elementor vs. Breakdance.
Was, wenn ich schon eine Elementor-Seite habe und jetzt verunsichert bin?
Bleiben Sie dabei, wenn Sie zufrieden sind. Ein Wechsel ohne konkreten Anlass — Performance-Probleme, Lizenzkosten, technische Neuausrichtung — kostet Zeit ohne klaren Mehrwert. Trend-Artikel sind kein Grund, ein funktionierendes Setup umzubauen.
Weitere Einordnung zu Page-Buildern und Themes finden Sie in meiner Gesamtübersicht WordPress-Tool-Vergleiche 2026 sowie im bestehenden Beitrag Elementor – der beste Pagebuilder für WordPress?
Bildquelle Featured & Inline: eigens erstellte Illustrationen im pletzenauer-Design (keine Stock-Fotos).
Elementor Pro: Falls Sie sich für einen Page Builder entscheiden und Elementor nehmen: Theme Builder und Formulare stecken in der Pro-Version. Elementor Pro ansehen
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