Popups haben einen schlechten Ruf, und meistens zu Recht. Nicht weil das Werkzeug schlecht wäre, sondern weil die Voreinstellungen selten hinterfragt werden. Ein Popup, das nach zwei Sekunden über den halben Bildschirm springt, kostet Sie mehr Besucher, als es Anmeldungen bringt. Ein gut ausgelöstes Popup dagegen stört niemanden.
Hier beides: wie Sie eines bauen, und wie Sie es so einstellen, dass es nicht nervt.
Voraussetzung
Der Popup Builder gehört zur Pro-Version. In der kostenlosen Version brauchen Sie ein separates Plugin.
Elementor Pro: Popup Builder, Theme Builder und Formulare liegen in derselben Lizenz — für viele der eigentliche Grund, nicht bei Free zu bleiben. Elementor Pro ansehen
Ein Popup anlegen
Unter Vorlagen → Popups legen Sie eine neue Vorlage an. Der Editor ist derselbe wie sonst, nur dass die Fläche das Popup ist statt einer Seite.
Sie bauen den Inhalt wie gewohnt: eine Überschrift, ein, zwei Sätze, ein Formular oder ein Button. Halten Sie es kurz. Ein Popup ist eine Unterbrechung; je länger es zum Lesen braucht, desto sicherer wird es weggeklickt.
Unter dem Zahnrad-Symbol links unten stellen Sie das Popup selbst ein: Breite, Höhe, Position, Overlay, Animation und ob es ein Schließen-Kreuz gibt. Zum Schließen-Kreuz gleich mehr — es ist wichtiger, als es aussieht.
Die drei Reiter der Anzeigelogik
Beim Veröffentlichen kommt der Teil, der über Erfolg oder Ärger entscheidet. Elementor fragt drei Dinge ab.
Bedingungen — wo das Popup erscheint. Gesamte Website, nur bestimmte Seiten, nur Beiträge einer Kategorie. Seien Sie hier so eng wie möglich. Ein Newsletter-Popup auf der Kontaktseite ist ein Störfaktor: der Besucher ist gerade dabei, Ihnen zu schreiben.
Auslöser — wann es erscheint. Nach Zeit, nach Scrolltiefe, beim Verlassen der Seite, nach Klick auf ein Element, nach Inaktivität.
Erweiterte Regeln — unter welchen Umständen. Nur bei neuen Besuchern, nur ab dem zweiten Seitenaufruf, nur einmal pro Woche, nicht für angemeldete Nutzer, nur ab einer bestimmten Bildschirmbreite.
Die Einstellungen, die ich tatsächlich empfehle
Nach einigen Jahren mit Kundenprojekten sind das meine Standardwerte:
Auslöser: Scrolltiefe 50 Prozent statt Zeitverzögerung. Wer die Hälfte gelesen hat, interessiert sich für das Thema. Wer nach drei Sekunden noch nichts gelesen hat, wird von einem Popup nicht überzeugt, sondern vertrieben.
Erweiterte Regel: nicht öfter als einmal alle sieben Tage. Ohne diese Regel sieht ein wiederkehrender Besucher das Popup bei jedem Besuch. Das ist der schnellste Weg, jemanden dauerhaft zu verlieren.
Erweiterte Regel: ab dem zweiten Seitenaufruf. Beim allerersten Kontakt ist die Bereitschaft, sich einzutragen, ohnehin niedrig.
Auf dem Handy zurückhaltend. Ein Popup, das den kleinen Bildschirm füllt, ist deutlich aufdringlicher als am Desktop. Ich schalte Popups mobil oft ganz ab oder nutze eine schmale Leiste am unteren Rand statt einer Einblendung in der Mitte.
Exit-Intent nur am Desktop. Der Auslöser reagiert auf die Mausbewegung zum Fensterrand. Auf Touchgeräten gibt es keine Maus, das Verhalten ist dort unzuverlässig.
Ein Punkt, der nicht verhandelbar ist
Das Popup muss sich eindeutig schließen lassen. Ein sichtbares Kreuz, ausreichend groß, mit genug Abstand zu anderen Elementen. Kein Kreuz in hellgrau auf weiß, kein Kreuz, das erst nach fünf Sekunden erscheint.
Das ist keine Geschmacksfrage. Ein Popup ohne klar erkennbare Schließmöglichkeit ist ein Barrierefreiheits-Problem und im Zweifel auch ein rechtliches. Prüfen Sie zusätzlich, ob sich das Popup mit der Escape-Taste schließen lässt und ob die Tastaturnavigation nicht dahinter hängen bleibt.
Was ein Popup nicht sein sollte
Kein Cookie-Banner. Dafür gibt es spezialisierte Werkzeuge, die Einwilligungen dokumentieren und Skripte tatsächlich blockieren — ein Elementor-Popup tut das nicht. Was bei Elementor datenschutzrechtlich sonst zu beachten ist, habe ich in Elementor DSGVO-konform einrichten zusammengefasst.
Und kein Ersatz für einen Inhalt, den man ohnehin nicht findet. Wenn Ihr wichtigstes Angebot nur im Popup steht, ist das ein Navigationsproblem, kein Popup-Bedarf.
Prüfen, bevor es live geht
Testen Sie in einem privaten Fenster — als angemeldeter Nutzer sehen Sie durch die Regeln oft gar nichts und halten das Popup fälschlich für defekt. Prüfen Sie es außerdem einmal auf dem Handy, und sehen Sie sich nach zwei Wochen an, ob die Anmeldungen tatsächlich gestiegen sind. Wenn nicht, war es nur eine Störung.
Wie man solche Elemente einsetzt, ohne die Seite unruhig zu machen, ist regelmäßig Thema in meiner Elementor-Schulung.
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