Sie wollen einen Online-Shop in Österreich aufsetzen, und WooCommerce ist Ihr Mittel der Wahl. Gute Entscheidung — Open Source, flexibel, kein monatlicher SaaS-Hebel im Nacken. Nur: der Shop ist die einfache Hälfte. Die schwierigere Hälfte ist österreichisches Recht. RKSV, ECG, FernAbsG, UID, IOSS, Gewerbeschein — alles Akronyme, die Ihnen den Spaß verderben können, wenn Sie sie zu spät auf dem Schirm haben. Ich gehe in diesem Beitrag durch die wichtigsten Bausteine, damit Sie sauber starten. Als technische Setup-Grundlage empfehle ich vorab meinen Beitrag WooCommerce Shop einrichten — hier konzentriere ich mich auf die rechtlichen und länderspezifischen Punkte.
Wichtig: Dieser Beitrag ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Ich gebe Praxis-Hinweise aus über 30 begleiteten Shop-Setups in Österreich, aber für rechtsverbindliche Auskünfte ist Ihre Steuerberatung oder spezialisierte Anwaltskanzlei zuständig. Im Zweifel: lieber einen Termin mehr buchen als später nachzahlen.
Gewerbeschein, UID und das WKO-Thema
Ein Online-Shop ist in Österreich gewerbepflichtig. Die meisten Shop-Inhaber:innen brauchen eines der folgenden:
- Freies Gewerbe Handel (Einzelhandel oder Großhandel mit Waren). Anmeldung bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde (BH) oder dem Magistrat. Kosten: einmalig rund 90 EUR Anmeldegebühr.
- Reglementierte Gewerbe — falls Sie etwas verkaufen, das besondere Befähigungen verlangt (z. B. Hörgeräteakustik, bestimmte Lebensmittel-Bereiche, medizinische Produkte).
- Land- und Forstwirtschaft — Direktvermarkter haben oft eine Ausnahmeregelung über die LandwirtschaftskammerS. Hier auf jeden Fall individuell beraten lassen.
Mit dem Gewerbeschein bekommen Sie automatisch eine Mitgliedschaft bei der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Bei der WKO können Sie sich für Ihr Branchen-Segment beraten lassen — viele WKO-Berater sind in Online-Handelsthemen mittlerweile fit, das war vor ein paar Jahren noch anders.
UID-Nummer: Sobald Ihr Jahresumsatz die Kleinunternehmer-Grenze von 35.000 EUR (Stand 2026) überschreitet oder Sie aktiv ins EU-Ausland verkaufen wollen, brauchen Sie eine UID. Antrag beim Finanzamt, formlos. Die UID kommt in der Regel innerhalb von 14 Tagen.
Kleinunternehmer-Regelung: Wenn Sie unter 35.000 EUR Jahresumsatz bleiben, können Sie als Kleinunternehmer:in von der Umsatzsteuer befreit bleiben. WooCommerce-relevant: In Ihren Rechnungen darf dann keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden, und Sie müssen einen Hinweis ergänzen („Umsatzsteuerbefreit gemäß § 6 Abs. 1 Z 27 UStG“). Im WooCommerce-Backend deaktivieren Sie dazu die Steuer komplett, statt 0% Steuersätze zu hinterlegen.
RKSV und Registrierkasse: gilt das auch online?
Die Registrierkassenpflicht (RKSV) gilt in Österreich grundsätzlich für Barzahlungen ab einer bestimmten Schwelle. Für reine Online-Shops mit elektronischer Zahlung (Karte, Klarna, Paypal, Vorkasse) gilt sie meist nicht — weil keine „Barzahlung“ stattfindet.
ABER:
- Sobald Sie Nachnahme anbieten und das Geld vom Lieferanten in bar entgegennimmt, kann das je nach Konstellation als Barzahlung gelten. Hier wird’s tricky — einzelfallweise mit Steuerberater klären.
- Sobald Sie einen Hofladen oder eine Ausgabestelle haben, wo Kund:innen Bar bezahlen, brauchen Sie eine RKSV-konforme Kasse (z. B. helloCash, easycash, ready2order).
- „Click & Collect“ mit Barabholung: ja, RKSV.
Wenn Ihre Konstellation reine elektronische Zahlung ist, sind Sie zumindest aus dem RKSV-Thema raus. Trotzdem empfehle ich Belegnummern-Logik in WooCommerce (Plugin: „PDF Invoices & Packing Slips“ oder das deutschsprachige „Germanized for WooCommerce“ — letzteres ist trotz des Namens auch für Österreich Gold wert).
FernAbsG und ECG: 14-Tage-Widerruf richtig umsetzen
Das Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz (FAGG, früher FernAbsG) regelt: Verbraucher:innen haben in Österreich (und EU-weit) 14 Tage Widerrufsrecht beim Online-Kauf. Das müssen Sie:
- Im Checkout transparent darstellen
- Vor Vertragsschluss informieren
- Per E-Mail nach Bestellung erneut zusenden
- Mit funktionsfähigem Widerrufsformular bereitstellen
WooCommerce-Lösung: „Germanized for WooCommerce“ macht den Großteil davon korrekt. Auch die „WooCommerce DE/AT/CH“-Anpassungen von Plugin-Anbietern wie WooCommerce.de helfen. Wer eines dieser Plugins nicht verwendet, hat fast garantiert eine rechtliche Lücke im Checkout.
Wichtige Ausnahmen vom Widerruf: Verderbliche Lebensmittel, individuell angefertigte Produkte (z. B. mit Namensgravur), versiegelte Hygieneartikel nach Öffnung, digitale Inhalte nach Download-Start. Diese müssen aber vorab klar kommuniziert sein — sonst gilt das Widerrufsrecht trotzdem.
Das E-Commerce-Gesetz (ECG) ergänzt: Impressumspflicht ist umfassender als in Deutschland. Sie brauchen nicht nur Name und Adresse, sondern auch UID, Firmenbuchnummer (wenn Sie eingetragen sind), Aufsichtsbehörde (Bezirksverwaltungsbehörde), berufsrechtliche Vorschriften und WKO-Mitgliedschaft.
Zahlungsanbieter für AT: Klarna, Mollie, Stripe, EPS, Bancontact
Für Österreich-Shops haben sich folgende Anbieter etabliert:
Stripe — internationaler Standard. Hervorragende WooCommerce-Integration, faire Gebühren (1,4 % + 0,25 EUR für SEPA, 1,5 % + 0,25 EUR für Karten), unterstützt EPS (österreichisches Online-Banking) seit 2023. Mein Standard für Shops mit internationalen Ambitionen. Tieferer Vergleich in meinem Beitrag Stripe vs. Mollie.
Mollie — niederländischer Anbieter, in DACH stark verbreitet. Etwas günstiger als Stripe bei kleinen Beträgen, unterstützt EPS, Bancontact, Klarna nativ. Tolle UX im Checkout. Empfehle ich für DACH-fokussierte Shops.
Klarna — sehr stark bei jüngeren Zielgruppen wegen „Rechnungskauf“ und „Pay later“. Höhere Gebühren als Stripe/Mollie (2,5–3,5 % je nach Konstellation), aber dafür höhere Conversion. Über Stripe oder Mollie integrierbar — direkt-Integration nur für größere Händler verfügbar.
EPS (Electronic Payment Standard) — österreichisches Online-Banking. Pflicht-Funktion für ernsthafte AT-Shops. Über Stripe, Mollie oder dedizierte Anbieter wie BluePayment.
PayPal — nicht mehr Marktführer, aber als Option immer noch erwartet. Höhere Gebühren als Stripe/Mollie, schlechte Käuferschutz-Praktiken für Händler, aber Verbraucher-Vertrauen ist hoch. Als Zusatzmethode anbieten, nicht als einzige.
Sofortüberweisung (Klarna Sofort) — funktioniert noch, aber abnehmend. Verbraucher misstrauen der Lösung zunehmend. Würde ich heute nicht mehr als Hauptmethode einbauen.
Vorkasse / Banküberweisung — kostengünstig (keine Gebühren), aber Conversion-Killer. Nur für treue Bestandskunden, nicht für Erstkäufer:innen.
Versand innerhalb der EU + IOSS-Schwellenwerte
Wenn Sie nur innerhalb Österreichs versenden, ist das Versand-Thema überschaubar: AGB regeln Lieferzeiten, Versandkosten transparent ausweisen, Standardpartner Österreichische Post oder DPD/GLS.
Sobald Sie ins EU-Ausland verkaufen, kommt die OSS-Regelung (One-Stop-Shop) ins Spiel: Ab 10.000 EUR Umsatz mit Endverbraucher:innen pro Jahr aus dem EU-Ausland müssen Sie die Umsatzsteuer im Land des Käufers abführen — über das OSS-Portal beim Finanzamt. WooCommerce-Plugins wie „OSS Compliance for WooCommerce“ oder das eingebaute EU-VAT-Handling helfen.
IOSS (Import-One-Stop-Shop) betrifft Sie nur, wenn Sie aus Drittländern (z. B. China, USA, UK nach Brexit) importieren und an EU-Endverbraucher:innen weiterverkaufen. Für Direkt-Importeure aus Österreich, die selbst Lager in AT haben: irrelevant.
UK nach Brexit: Sonderfall. Für Verkäufe nach UK brauchen Sie eine UK-VAT-Registrierung (bei Umsätzen ab 70.000 GBP/Jahr) und müssen die zusätzlichen Versanddokumente (CN22/CN23) korrekt befüllen. Wenn Sie keine UK-Kunden bedienen wollen, deaktivieren Sie UK im WooCommerce-Versandbereich — das spart Ärger.
AGB, Datenschutz, Impressum für AT-Shops
Die rechtlichen Pflichtseiten in WooCommerce:
AGB. Müssen vor Vertragsabschluss zur Bestätigung vorgelegt werden (Checkbox im Checkout). Erstellen Sie keine eigenen AGB, sondern nutzen Sie spezialisierte Generatoren: WKO-Mustertexte (kostenlos, aber konservativ), Trusted Shops AGB-Service (kostenpflichtig, dafür mit Update-Service), oder eine spezialisierte E-Commerce-Anwaltskanzlei (einmalig 400–1.500 EUR, dafür wirklich auf Ihren Shop angepasst).
Datenschutzerklärung. DSGVO-Pflicht, plus österreichisches DSG, plus TKG für Cookies. Generatoren wie eRecht24, Dr. Schwenke oder activeMind helfen. Tieferes Vorgehen in meinem Beitrag DSGVO Compliance Checklist für österreichische Websites.
Impressum. Siehe ECG-Punkt oben. Für AT-Shops muss umfassender sein als für DE.
Widerrufsbelehrung. Pflicht. Idealerweise aus Generator wie eRecht24 (AT-Version) oder vom Anwalt.
Datenschutz im Checkout. Konkrete Pflicht-Hinweise zu: welche Daten warum, Speicherdauer, Rechtsgrundlage. Germanized for WooCommerce setzt einen Großteil davon korrekt.
Bonus: WooCommerce-Plugins, die ich für AT-Shops standardmäßig empfehle
- Germanized for WooCommerce — Pflicht. Kein Diskussionsbedarf.
- PDF Invoices & Packing Slips — Rechnungserstellung.
- OSS Compliance (falls EU-Versand).
- WooCommerce Stripe Gateway oder Mollie Payments.
- YITH WooCommerce Wishlist (optional, Konversions-Heber).
Für tiefere Plugin-Empfehlungen siehe beste WooCommerce Plugins.
Persönliche Beratung gewünscht?
Wenn Sie für Ihren WooCommerce-Shop in Österreich Sicherheit haben wollen, bevor Sie live gehen — von rechtssicherem Setup über Zahlungsanbieter-Wahl bis Versand-Logik — schreiben Sie mir kurz. Im 60-minütigen Setup-Workshop (vor Ort in Salzburg/Wien oder remote) gehe ich Ihren konkreten Fall mit Ihnen durch und Sie verlassen das Gespräch mit einer To-do-Liste, die Sie selbst abarbeiten oder an mich abgeben können.
→ Beratung anfragen: Kontakt aufnehmen
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